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Rollstuhlrugby –  eine der spektakulärsten Sportarten im Behindertensport.

Die Ursprünge des Rollstuhlrugbys…

…liegen in den späten 70er Jahren in Kanada. Entwickelt für Tetraplegiker. Anfangs als “Murderball” bezeichnet. In den USA war in den 80er Jahren auch die Bezeichnung Quad-Rugby üblich. Ab den späten 80ern wurde der Sport außerhalb der USA offiziell in Rollstuhlrugby (Wheelchairrugby) umbenannt. Von Kanada aus verbreitete er sich erst weiter in die USA. Später kam Rollstuhlrugby dann auch in Europa an. Zunächst in England, Anfang der 90er Jahre dann auch in Deutschland.

Tetraplegiker…

… weisen aufgrund einer Schädigung des Rückenmarks Lähmungen in ihren Gliedmaßen (Arme und Beine) sowie oft auch im Rumpfbereich auf.
Die Lähmung kann durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden: Unfälle, Krankheiten oder angeborene Schädigungen.
Sie beeinträchtigt sowohl die motorischen Fähigkeiten als auch die sensorischen Empfindungen.

Im Laufe der Zeit eröffnete die medizinische Entwicklung Menschen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, die zuvor mit Unfall- oder Krankheitsfolgen ganz oder größtenteils ausgeschlossen waren. Viele von ihnen verband der gemeinsame Willesich sportlich zu messen.

Spieler, deren Behinderungen (insbesondere an Händen und Armen) eine Teilnahme an Sportarten wie Basketball erschwerten, entwickelten mit Rollstuhlrugby einen Mannschaftssport, den sie trotz eingeschränkter Hand- und Armfunktionen ausüben konnten und der sie zugleich taktisch wie körperlich forderte. Eine Mischung aus Taktik und Remmidemmi.

Die Grundlagen des Rollstuhlrugby-Spiels

Zwei Teams mit je vier Spieler:innen, die speziell angefertigte Rugby-Sportrollstühle nutzen, ein Spielfeld, ein gehärteter Volleyball. Viel mehr braucht es nicht. Es gewinnt, wer am Ende eines Spiels die meisten Tore erzielt hat. Der Ball wird nicht ins Tor geworfen, sondern „in kontrollierter Form“ über die gegnerische Torlinie gebracht. Ein Tor zählt nur bei sicherem BallbesitzKörperkontakt ist beim Rollstuhlrugby nicht erlaubt. Aber: Erlaubt ist nahezu jeglicher Einsatz mit den Rugbystühlen. Rammen, Blocken, Hitten, Crashen…

Wie hoch ist die Verletzungsgefahr?

Alle Regeln, ob auf dem Feld oder bei der Konstruktion der speziellen Rugbyrollstühle, verfolgen den Zweck, Spieler und Spielerinnen vor unnötigen Gefahren zu schützenVerletzungen sind selten, kommen aber vor. Schürfwunden, blaue Flecken oder auch mal eine Schramme. Kleine Verletzungen lassen sich bei einem Rugbyspiel mitunter nicht vermeiden.

Aufgrund der Spieldynamik kann es vorkommen, dass die Spieler:innen mit ihren Sportrollstühlen zu Boden gehen, um fallen, umgehittet werden. Das ist Rugby. Schwere Verletzungen sind jedoch äußerst selten.

Wer darf mitspielen?

Männer und Frauen spielen im gleichen Team. Rollstuuhlrugby ist eine der wenigen Mixed-SportartenSpielberechtigt ist Jede:r, der an mindestens drei Gliedmaßen (Arme und Beine) eine Einschränkung hat. Die Ursache der Einschränkung spielt dabei keine Rolle.

Irrelevant ist auch, ob die Spieler:innen im Alltag ausschließlich einen Rollstuhl nutzen oder sie laufen können und den Rollstuhlrugbystuhl lediglich als Sportgerät nutzen.


Haben Spieler:innen mit stärkeren Behinderungen eine Chance, mitzuspielen?

Ja. Da jede Behinderung unterschiedlich ist, wird jeder Spieler, jede Spielerin von eigens dafür ausgebildeten Klassifizierern klassifiziert. Je nach Grad der Einschränkungen erhält er oder sie eine Punktierung zwischen 0.5 und 3.5 – die Klassifizierung.

Eine Mannschaft darf in der Gesamtpunktzahl ihrer vier Spieler auf dem Feld insgesamt – je nach Wettbewerb (national/international) – zusammenaddiert bis zu sieben oder acht Punkten aufweisen. Dadurch wird eine Ausgewogenheit motorisch stärker eingeschränkter Spieler (Lowpointer mit der Klassifizierung von 0.5 bis 1.5) und weniger stark eingeschränkter Spieler (Midpointer und Highpointer mit einer Klassifizierung von 2.0 bis 3.5) erreicht. Frauen erhalten auf dem Spielfeld einen sogenannten “Frauenbonus“: ihnen werden 0.5 Punkte von ihrer Klassifizierung abgezogen.

Team-“Linien” im Rollstuhlrugby

Übliche Konstellationen (“Linien) auf dem Feld, je nach Kader eines Teams, können bei einem Turnier mit maximal acht erlaubten Punkten zum Beispiel sein:

  • 3.5 + 2.0 + 2.0 + 0.5
  • 3.0 + 2.0 + 2.0 + 1.0
  • 3.5 + 3.5 + 0.5 + 0.5 (“High-to-Low-Linie)

Leistungsunterschiede

Rollstuhlrugby ist geprägt von einem mitunter starken Leistungsgefälle. Neben sehr vielen Breitensportlern gibt es auch zahlreiche Spieler auf mittleren sowie ganz hohem Leistungsniveau.

In den Vereinen läuft der Trainingsbetrieb und das Vereinsleben. Der Wettkampfbetrieb in Deutschland läuft aktuell (Stand: 2024) in drei Liga-Bereichen: Regionalliga, 2. Bundesliga und 1. Bundesliga. Ambitionierte Spieler:innen können sich in der 1. Bundesliga sowie im internationalen Turniergeschehen bewähren.

Zudem gibt es für sie die Chance, sich mit guten Leistungen und Talent für  die Deutsche Rollstuhlrugby-Nationalmannschaft zu empfehlen.

Rollstuhlrugby Nationalmannschaft Deutschland

Das Nationalteam von Cheftrainer Christoph Werner hat sich 2024 erstmals seit 2008 wieder für die Paralympics qualifiziert. Es vertritt Rollstuhlrugby Deutschland auf internationaler Ebene, bei Europa- und Weltmeisterschaften.
Mehr zum Team unter:
www.wheelchairrugby.de